Schnelles Internet für über 1000 Worpsweder Haushalte?

 

Geballte Kompetenz hatte die Worpsweder SPD zu ihrer Veranstaltung „Worpswede 4.0? Probleme und Perspektiven bei schnellem Internet, Mobilfunk und Festnetz in der Gemeinde Worpswede in die Ratsdiele des Worpsweder Rathauses eingeladen.

Der Einladung gefolgt waren die SPD Bundestagsabgeordnete Christina Jantz-Herrmann, Landrat Bernd Lütjen, Bürgermeister Stefan Schwenke, der Geschäftsführer des niedersächsischen Breitbandzentrums Peer Beyersdorff sowie Daniel Böttcher als für den Landkreis OHZ zuständiger Vertreter der EWE.

 


Worpswede 4.0 PodiumsteilnehmendeFoto: Gesa Wetegrove

Daniel Böttcher (EWE), Christina Jantz-Herrmann (SPD MdB), Gerhard Witte (SPD, Vorsitzender Gemeinderat Worpswede), Stefan Schwenke (Bürgermeister), Bernd Lütjen (SPD, Landrat), Peer Beyersdorff (Breitband Kompetenzzentrum Niedersachsen),
Jürgen Kuck (SPD, Landtagskandidat)


 

In ihren Eingangsstatements waren sich die Experten darin einig, dass die Bedeutung des Breitbandausbaus für private Nutzer, vor allem aber für Gewerbetreibende gar nicht hoch genug eingeschätzt werden könne. Notwendig sei sowohl eine schnelle technologische Aufrüstung (Glasfasertechnik) als auch die Schließung von bestehenden Versorgungslücken im ländlichen Raum. Die schlechte Versorgung im ländlichen Raum sei vor allem auf die hohen Kosten zurückzuführen, weil 70 % der Kosten durch die Kabelverlegung (Tiefbau) entstehen. Die hohen Kosten und eine vergleichsweise geringe Zahl zahlender Kunden machten die Erschließung ländlicher Regionen durch eigene Investitionen für die Anbieter (EWE, Telekom etc.) wirtschaftlich uninteressant. Deshalb sind staatliche Förderprogramme mit Investitionen von Bund, Land und Kommunen unverzichtbar.

Nach einem kurzen Überblick über die bisherigen Modellvorhaben informierte Landrat Bernd Lütjen die Anwesenden über das aktuelle Förderprogramm, das sich derzeit in der Ausschreibungsphase befindet und im kommenden Jahr umgesetzt werden soll.  Im Landkreis Osterholz sind Investitionen in Höhe von 12 Mio. Euro geplant, wobei 8 Mio. vom Bund, 2 Mio. vom Land und 4 Mio. vom Landkreis und den Gemeinden getragen werden. Die Gemeinde Worpswede beteiligt sich trotz des chronischen Hausdefizits mit 360.000 Euro, soll aber auch in erheblichem Umfang profitieren: Bereits im kommenden Jahr sollen mit knapp 1100 Anschlüssen fast ein Drittel aller Haushalte der Gemeinde Zugang zu schnellem Internet erhalten. Zugesagt wurde auch Schließung der besonders gravierenden Versorgungslücken in Teilen Hüttenbusch und der Ortschaft Fünfhausen.

Weniger konkret sind die Perspektiven für einen verbesserten Mobilfunkempfang in der Gemeinde. Nach Angabe des Bürgermeisters gibt es in der Gemeinde bisher nur 4 Sendestandorte. Ursachen seien sowohl das geringe wirtschaftliche Interesse der Telefonanbieter als auch Wiederstände bei Anwohnern wegen einer befürchteten Strahlenbelastung. Laut Peer Beyersdorff haben sich die Telefonanbieter allerdings im letzten Frequenzversteigerungsverfahren verpflichtet, bis zum Jahr 2020  97% des Bundesgebietes mit einer Mobilfunkqualität von mindestens 50 Mbit zu versorgen.

Von Christina Jantz Herrmann wurde ergänzend noch die besondere Bedeutung von freien WLAN Zugängen gerade für eine touristisch geprägte Gemeinde wie Worpswede angesprochen. In allen öffentlichen Gebäuden müsse perspektivisch freies WLAN verfügbar sein. Herr Beyersdorff lobte in diesem Zusammenhang den freien WLAN Zugang im Worpsweder Zentrum, der durch eine Freifunkinitiative der Gewerbetreibenden ermöglicht wurde.

Neben Einzelfragen zu individuellen Empfangsproblemen wurde aus dem Publikum vor Allem die häufig lange Wartezeit bei den Telekommunikationsanbietern in Fällen von Wohnungs- oder Anbieterwechsel kritisiert. Angesichts der gerade von allen Experten betonten Bedeutung der Breitbandversorgung seien lange Wartezeiten nicht akzeptabel, zumal bei Strom und Heizenergie ein nahtloser Wechsel selbstverständlich sei.

Seitens des Netzzentrums und der EWE wurden die zeit- und kostenaufwändigen Vergabeverfahren kritisiert, die gesetzlich vorgegeben sind. Herr Böttjer sprach von „bürokratischen Wahnsinn“.

Christina Jantz-Herrmann sagte abschließend zu, die zuletzt diskutierten Kritikpunkte (Wartezeiten bei Anbieter- bzw. Wohnungswechsel, bürokratische Vergabeverfahren) mit nach Berlin zu nehmen und in den zuständigen Ministerien anzusprechen.

 
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